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Vorsicht mit ”Fair Play” Werkstätten!

In gemeinsamen Presskonferenzen verkündeten Ford Deutschland, HUK und Allianz deren vertragliche Zusammenarbeit mit den Ford-Werkstätten. Die früher unter dem Stichwort “Schadenmanagement” der Haftpflichtversicherer bekannten Versuche, dem Geschädigten dessen Recht auf einen eigenen Rechtsanwalt und einen eigenen Kfz-Sachverständigen zu beschneiden, laufen so ab:

  • 1) Die Geschädigte fährt ihr beschädigtes Fahrzeug zur Ford-Werkstatt. Sie glaubt, es sei “ihre” Werkstatt. Tatsächlich aber nimmt die Ford-Werkstatt die Interessen der HUK-Versicherung des Unfallgegners wahr wie folgt:
  • 2) Die Werkstatt lässt sich telefonisch von der HUK einen Sachverständigen schicken. 
  • 3) Es erscheint ein Sachverständiger (häufig DEKRA) bei der Werkstatt und besichtigt das Fahrzeug. Das Gutachten schickt er nur der Versicherung. Weder die Geschädigte, noch die Werkstatt erhalten es. Die Werkstatt erhält vom Sachverständigen zwar einen Ausschnitt aus dem Gutachten, die Reparaturkosten-Kalkulation, - jedoch keine Fotos und keinen Nachweis über Wiederbeschaffungswert und Restwert. 
  • 4) Sachverständiger und HUK-Versicherung weigern sich, das Original-Gutachten an die Geschädigte herauszugeben.

Entsprechende Fälle sind auch mit vielen Werkstätten anderer Marken bekannt.


Ein ähnlicher Ablauf zeigt sich bei Mietwagen:

  • 1) Der Geschädigte fährt mit seinem Wagen zur Vertragswerkstatt, zum Beispiel Mercedes.
  • 2) Die Werkstatt bietet einen Mietwagen an.
  • 3) Der Kunde ist begeistert.
  • 4) Zufällig erscheint jetzt eine Mitarbeiterin von Sixt, Avis, oder anderen. Die hat ein vorbereitetes Formular zur Hand, denn nicht die Werkstatt stellt Ihnen einen Wagen zur Verfügung, sondern Sie sollen einen mieten. Zu einem Preis von 160. Die Versicherung zahlt ja...
  • 5) Der Geschädigte hat sein erstes Schreiben vom Versicherer mitgebracht. Darin ist ein Höchstpreis pro Pkw-Klasse angegeben, hier 85.
  • 6) Jetzt sagt die Autovermieterin, o.k. 85 ist auch in Ordnung.
  • 7) Später wendet der Versicherer aber ein, er haftet dem Grunde nach nicht und zahlt deshalb gar nichts.
  • 8) Jetzt verlangt die Autovermieterin den nicht vereinbarten Preis von 160.
  • 9) Es stellt sich heraus: Die Werkstatt hat einen bundesweiten Rahmenvertrag mit dem Autovermieter. Danach ist die Autovermietung bei Unfallersatzfahrzeugen angeblich zufrieden mit der Schadenersatzleistung, die dem Werkstattkunden zusteht. Tatsächlich klagt er den Restbetrag hinter dem Rücken des Geschädigten selbst beim Versicherer ein - mit ganz unterschiedlichem Erfolg. Erhält der Werkstattkunde keinen Schadenersatz, hält sich die Autovermietung nicht immer an den Rahmenvertrag - weil ja keine Schadenersatzleistung erfolgt.
  • 10) Der Geschädigte wird auf einen Preis verklagt, den er nicht vereinbart hat. 

 

Abhilfe für die Geschädigten:

  • Achtung: Geben Sie niemals mehr Ihrer Werkstatt das Kfz-Kennzeichen des Unfallgegners oder dessen Versicherung an. Die Werkstatt benötigt für eine Reparatur Ihres Wagens nicht die Daten Ihres Unfall-Gegners. Diese Angaben sind für ihn nur wichtig, wenn er Kontakt mit dem Versicherer aufnehmen will - natürlich hinter Ihrem Rücken.
  • Beauftragen Sie einen eigenen Sachverständigen (nicht DEKRA) und legen Sie später eine Kopie des Gutachtens Ihrer Werkstatt vor, damit Ihr Reparaturauftrag dort eindeutig definiert ist. Dem Gutachten kann er dann auch die Versicherung und deren Schaden-Nr. entnehmen.
  • Beauftragen Sie Ihren Fachanwalt für Verkehrsrecht am Unfalltag oder sehr kurz danach, damit alle erforderlichen Schritte zuvor mit Ihrem Anwalt besprochen werden und Sie genau wissen, in welche Fallen Sie im Laufe der Selbstkorrespondenz mit der Versicherung getappt wären.
  • Mieten Sie erst ein Ersatzfahrzeug, nachdem Sie Ihren Verkehrsrechtsanwalt gesprochen haben.